Diagnose und Therapie der chronischen Quecksilbervergiftung

von Reinhard Lauer

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1 Allgemeines   4 Therapie
1.1 Was ist Amalgam?   4.1 Massive Schäden sofort behandeln
1.2 Wie gelangt Quecksilber in den Körper?   4.2 Amalgamfüllungen entfernen
1.3 Belastung durch Quecksilber   4.2.1 Abrechnung mit der Krankenkasse
1.4 Grenzwerte   4.3 Ausleitung
2 Der Weg durch den Körper   4.3.1 Viel Wasser trinken
2.1 Metabolismus   4.3.2 Chelatbildner
2.2 Wirkung im Körper   4.3.3 andere Therapien, die die Ausleitung fördern
2.3 Symptome   4.3.4 Enzyme, Vitamine, Mineralien und Sauerstoff
2.4 Entgiftung und genetische Disposition   4.3.5 Weitere Maßnahmen
3 Diagnose   4.3.6 Homöopathie
3.1 Testmethoden   4.4 Neue Füllungen
3.2 Grenzen der Diagnostik   5 Literaturhinweise

Der folgende Text wurden nach bestem Wissen zusammengestellt und dient der allgemeinen Information. Jede Therapie sollte von einem kundigen Arzt begleitet werden. Der Autor verfügt nicht über eine medizinische Ausbildung und übernimmt keine Gewähr oder Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen.
 

Pfeil nach oben1   Allgemeines

1.1   Was ist Amalgam?

Amalgam nennt man die Legierung anderer Metalle mit Quecksilber. Es wird seit etwa 1820 in den USA, verstärkt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als Zahnfüllmaterial eingesetzt; seit den 1970er Jahren werden die "gamma-2-freien" Amalgame eingesetzt. Sie sind bei ISO 1559 standardisiert. Dem Zahnarzt wird ein Legierungspulver (die "Feilung") aus ca. 40% Silber, 28% Zinn, 27% Kupfer, 3% Zink, 2% Quecksilber geliefert. Er mischt das Pulver im Verhältnis 1:1 mit reinem, flüssigem Quecksilber. Die Mischung - das Amalgam - dehnt sich während der Aushärtung (einige Stunden) um rund 0,1% aus; dadurch wird der Randspaltbildung vorgebeugt. Das Amalgam hat dann einen Quecksilberanteil von rund 51 %.

Amalgamfüllung

Amalgamfüllung (Quelle: Dr. Burk)

Amalgam ist billig und vom Zahnarzt leicht zu verarbeiten. Es erfüllt seine wichtigsten Aufgaben - stabile Kaufläche und Verschluß des Zahnnervs - anfangs auch bei handwerklich schlechter Verarbeitung. Es ist deshalb bei den - nicht informierten - Zahnärzten beliebt. Leider nimmt durch Korrosion und die damit verbundene Abwanderung metallischen Quecksilbers die Stabilität des Amalgams im Laufe der Zeit ab und die toxische Belastung des Zahns und des umgebenden Zahnfleischs zu. Amalgam wurde früher häufig in der Füllung belassen, wenn eine Füllung oder Krone aus anderem Material darüber gesetzt wurde. Die heute gebräuchlichen "Non-gamma-2-Amalgame" wurden entwickelt, weil sie weniger korrodieren und den Randspalt besser verschließen. Leider geben sie während der Liegezeit deutlich mehr Quecksilber als die älteren Amalgamvarianten ab, weil sich an ihrer Oberfläche kleine Quecksilbertröpfchen bilden, die verdampfen [27]. Wenn der Zahnarzt die Amalgamoberfläche nicht oder schlecht poliert, dann ist die Oberfläche - wie bei der Korrosion - wegen der mikroskopisch kleinen Unebenheiten größer und es verdampft mehr Quecksilber.

Nach den Vorgaben des BfArM ist Amalgam nicht geeignet (also verboten)

Keine Anwendung wird empfohlen

Der Widerspruchsbescheid (1995) enthält zudem Hinweise auf galvanische Effekte.

Quecksilber - englisch: mercury - hat das chemische Symbol Hg (Hydrargyrum). Es ist ein flüssiges, silberglänzendes Schwermetall mit einem Schmelzpunkt von -39 °C; Siedepunkt: 357 °C. Die Dämpfe sind unsichtbar, geschmacklos, geruchlos und sehr toxisch, vor allem neurotoxisch. Wegen seiner hohen Oberflächenspannung neigt es zu Tropfenbildung. Reines Quecksilber (Hg0) wird unter günstigen Bedingungen (kleine Oberfläche) vom Darm nur zu einem geringen Prozentsatz aufgenommen. Deshalb werden Selbstmordversuche mit flüssigem Hg aus Hg-Thermometern oft ohne massive Schäden überstanden.

Quecksilber ist ein relativ seltenes Element. Sein Anteil am Aufbau der Erdkruste beträgt ca. 0,00005 Gewichtsprozent (5*10-5). Es ist in geringen Konzentrationen praktisch allgegenwärtig. Sehr selten kommt es eingeschlossen in Gesteinen auch als reines Metall in Tröpfchenform vor. Von weit größerer Bedeutung sind seine natürlichen Verbindungen, vor allem Quecksilbersulfid (Zinnober, HgS). Die wichtigsten Lagerstätten findet man in Europa nördlich des Mittelmeers: in den spanischen Almaden, im slowenischen Idrija und in der Türkei. Außerdem gibt es abbauwürdige Vorkommen in China, Russland und den Vereinigten Staaten. Andere Quecksilber-Mineralien, die allerdings keine wirtschaftliche Bedeutung haben, sind Coloradoit (HgTe), Kalomel (Hg2Cl2) und Livingstonit (HgS.2Sb2S3).

"Da die Chloralkaliindustrie schrittweise aus der Verwendung von Quecksilberzellen aussteigt, wird zahnmedizinisches Amalgam in der EU zum größten Verwendungszweck." [18]. 2007 wurden in der EU zwischen 320 und 530 Tonnen Quecksilber verbraucht, davon 24% für Zahnamalgam [28]. In deutschen Mündern befinden sich 200 - 300 Millionen Amalgamfüllungen. Die Zahnärzte in der Europäischen Union verbrauchen 90 Tonnen Quecksilber pro Jahr. Die Bürger der EU tragen zwischen 1300 und 2200 Tonnen Quecksilber in ihren Zähnen; in den USA sind es etwa 1000 Tonnen.

 

Pfeil nach oben1.2   Wie gelangt Quecksilber in den Körper

Quecksilber ist nicht essenziell für den Menschen. (Essenzielle Schwermetalle sind Fe, Cu, Zn, Mn, Co, Cr, Mo.) Der gesunde Körper benötigt kein einziges Atom dieses Elements (und der kranke erst recht nicht). Es ist das giftigste nicht-radioaktive Element. In Zellversuchen erweist es sich als zehnmal giftiger als Blei, dessen Toxizität weit unterhalb offizieller Grenzwerte nachgewiesen ist. Sein Einsatz wurde deshalb in praktisch allen Bereichen reduziert oder völlig eingestellt, außer als Zahnersatz und in Impfstoffen. Durch Vulkanausbrüche, natürliche Vorkommen in der Erdkruste, Abgase von Kohlekraftwerken, Nahrung (Fisch), Impfungen und vor allem durch Amalgam gelangt es in den menschlichen Organismus. Zahlen- und Grenzwerte: s. folgenden Abschnitt 1.3

Quecksilber bzw. seine Verbindungen und Legierungen wurde oder wird eingesetzt

Meyers Konversationslexikon (1896) enthält Hinweise zum vielfältigen Einsatz von Quecksilber in der Medizin des 19. Jahrhunderts.

Aus Amalgamfüllungen freigesetztes Quecksilber kann zu sehr unterschiedlichen gesundheitlichen Störungen führen, so dass sich eine Vielzahl von Beschwerdebildern ergibt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weist auf die besonders hohe Gefahr für Frauen, die schwanger sind (wegen der Speicherwirkung müsste das gleiche für Frauen gelten, die schwanger werden können), für Kinder, für Allergiker und für Personen mit Nierenschwäche hin. Ob der Körper mit weiterem Quecksilber belastbar ist, hängt aber ganz individuell von der Giftmenge, die bereits im Körper gespeichert ist, und von der Entgiftungsfähigkeit ab. Wenn die ersten Symptome auftreten, ist das Gift bereits im ganzen Körper verteilt und kann daraus nur mit Mühe in einem langwierigen Prozess wieder entfernt werden. Deshalb ist die jahrzehntelange Anwendung als Zahnfüllstoff besonders verhängnisvoll.

Quecksilber gelangt auf mehreren Wegen von den Amalgamfüllungen in den Körper:


Zahnaufbau (aus zahnaufbau.de)

Dentinkanälchen sind ca. 2 µm große Hohlräume, die das Dentin des Zahns durchziehen (aus Wikipedia).

Das BfArM fordert zwar: "Die Zahl der Amalgamfüllungen sollte für den einzelnen Patienten so gering wie möglich sein." Aber halten sich die Zahnärzte daran?  

Pfeil nach oben1.3   Belastung durch Quecksilber

Häufig wird behauptet, dass Fisch die Hauptursache der Quecksilber-Belastung des Menschen sei. Das ist nicht richtig. Die WHO veröffentlichte dazu 1990 in ihren Environmental Health Criteria 101 "Methylmercury" folgende Tabelle:

Table 4. Estimated average daily intake and retention (µg/day) of total mercury and mercury compounds in the general population not occupationally exposed to mercury a
Exposure Elemental mercury vapour Inorganic mercury compounds Methylmercury
Air 0.030 (0.024) 0.002 (0.001) 0.008 (0.0064)
Food
  Fish
  Non-fish
 
0
0
 
0.600 (0.042)
3.6 (0.25)
 
2.4 (2.3)
0
Drinking-water 0 0.050 (0.0035) 0
Dental amalgams 3.8 - 21 (3 - 17) 0 0
Total 3.9 - 21 (3.1 - 17) 4.3 (0.3) 2.41 (2.31)
a See text for assumptions underlying the calculations of average daily intake and retention. Values given are the estimated average daily intake; the figures in parentheses represent the estimated amount retained in the body of an adult. Values are quoted to 2 significant figures.

Daraus ergibt sich, dass Amalgam die größte Quecksilber-Belastung darstellt, deutlich mehr als alle anderen Quellen (Luft, Nahrung, Wasser) zusammen. Auch die Europäische Union hat festgestellt: "In Industrieländern ist die Hauptquelle der Quecksilberexposition die Einatmung von Quecksilberdampf aus zahnmedizinischem Amalgam" [18]. Die EU verweist auch auf diese Tabelle.

Es gibt bisher weltweit keine Studie, in der die toxikologische Unbedenklichkeit bzw. Biokompatibilität von Amalgam nachgewiesen und die in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht worden wäre. Studien, die "Entwarnung" geben, wiederholen nur die Behauptungen aus anderen Studien, oder sie vertreten die Meinung, dass die Beschwerden nicht auf Amalgam zurückzuführen sind, sondern andere - psychische - Ursachen haben müssen. Ein wissenschaftlicher Nachweis dieser "anderen" Ursachen erfolgt nicht; s. dazu "Warum setzen sich die wissenschaftlichen Fakten so schwer durch?".

 

Pfeil nach oben1.4   Grenzwerte

Kommentar:
In den letzten Jahrzehnten konnten bei immer niedrigeren Belastungswerten weitere pathologische Effekte mit Quecksilber in Verbindung gebracht werden, weil die tägliche Aufnahme ebenso wie die Ausscheidung kein Indikator für die tatsächliche Belastung der Organe durch das Gift ist. Wegen der Speicherung des Quecksilbers, wegen der zum Teil seit der Geburt vorhandenen Körperschäden und wegen der individuell (genetisch) unterschiedlichen Entgiftungsfähigkeit ist weder ein allgemein gültiger Dosis-Grenzwert noch ein niedriger Ausscheidungswert eine Garantie, dass keine gesundheitlichen Gefahren bestehen. Es gibt keine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung, die Grundlage der Toxikologie. Deshalb konnte bisher kein Grenzwert bzw. Schwellenwert festgelegt werden, unterhalb dessen keine Schadenswirkungen mehr nachweisbar sind (NOAEL = Not Observed Adverse Effect Level).

Die einzige in der Schulmedizin anerkannte Diagnostik ist der Epikutantest (s. Abschnitt 3.1). Das HBM stützt sich zur Bewertung der Quecksilberbelastung allein auf die Messung der Konzentration in Körperflüssigkeiten. Welche der beiden Methoden hat eine wissenschaftliche Grundlage? Keine, denn keine der beiden Methoden macht eine Aussage über die neurotoxische Belastung durch Quecksilber. Daraus folgt:

Die Einhaltung der Grenzwerte bietet keinen Schutz vor chronischer Quecksilbervergiftung,
weil bei der Festlegung der Grenzwerte die toxikologischen Eigenschaften von Quecksilber ignoriert werden.

Der NOAEL würde diesen Schutz bieten. Aber ein NOAEL wurde für Quecksilber bisher nicht festgelegt.

 

Pfeil nach oben2   Der Weg durch den Körper

2.1   Metabolismus

Quecksilber ist das giftigste nicht-radioaktive Element. "Es ist weit giftiger als Arsen, Blei, Fluor oder Kadmium. Auf Nervenzellen wirkt Quecksilber zehnmal giftiger als Blei." [1a]. Es wirkt langsam und deshalb wenig spektakulär. Auf dem Weg von den Zahnfüllungen zu den Zielorganen wird Hg0 zu Hg+ und Hg2+ oxidiert:

Nach Klinghardt können Gifte in den intrazellulären Raum verschoben werden, wenn die Speicherkapazität des extrazellulären Raums, also das Bindegewebe, bereits voll ist (üblich bei Menschen mit Amalgamfüllungen), wenn die Zellwände beschädigt sind oder wenn die Ionenkanäle der Zellwände speziell für einen (Gift-)stoff durchlässig sind, z.B. durch homöopathische Quecksilberpräparate wie etwa Mercurius solubilis. Wenn ein Hautabschnitt dem Licht aus einer Quecksilberdampflampe ausgesetzt wird, wird Hg mobilisiert und in den extrazellulären Raum verschoben. Hg wird selektiv mobilisiert in dem Gewebeabschnitt mit gemeinsamen Nerven. [20]
Relativ ungefährlich ist es, einzelne Amalgam-Bruchstücke zu verschlucken: nach geringer Absorption im Magen-Darm-Trakt werden sie normalerweise, ohne größeren Schaden anzurichten, auf natürlichem Wege über den Stuhlgang ausgeschieden.

Hinweis: Dimethylquecksilber (Hg(CH3)2) ist eine äußerst gefährliche Verbindung und kann in geringsten Mengen den Tod herbeiführen. Karen Wetterhahn, Professorin am Chemieinstitut der Universität Bristol, starb 1997 durch eine kleine Unachtsamkeit beim Umgang mit dem gefährlichen Stoff, der durch Handschuhe und Haut in ihren Blutkreislauf eindrang.

 

Pfeil nach oben2.2   Wirkung im Körper

Quecksilber wird überwiegend dampfförmig von den Füllungen abgegeben und dann über den Speichel und den Verdauungstrakt, über die Lunge oder die Mundschleimhaut ins Blut geleitet. Auch der kurze Weg von der Mundhöhle in das Gehirn wird diskutiert. Es lagert sich innerhalb von Tagen ab, bevorzugt in Nieren, Hoden, Leber, Milz, Schilddrüse, Hypophyse, Fettgewebe, Nerven und im zentralen Nervensystem (ZNS = Gehirn und Rückenmark). Amalgamträger weisen in den Organen bis zu 12 mal höhere Hg-Konzentrationen auf als amalgamfreie Personen. Es durchdringt mühelos alle körpereigenen Schutzmechanismen: biologische Membranen, inklusive (Riech)Schleimhäute, alle Zellwände und insbesondere auch die Blut-Hirn-Schranke, die die empfindlichen Gehirnstrukturen vor Fremdstoffen schützen soll, und die Plazenta einer Schwangeren. Besonders empfindlich reagiert der ungeborene oder frühkindliche Körper: die Entwicklung des kindlichen Gehirns kann während Schwangerschaft und Stillzeit erheblich beeinträchtigt werden; Autismus, Hyperaktivität oder andere Verhaltensstörungen, Neurodermitis, Allergien und andere Immunsystem-Schäden können die Folge sein.
Da organische Quecksilberverbindungen nicht wasserlöslich (hydrophil), sondern fettlöslich (lipophil) sind, verweilen sie nur kurz im Blut und werden dann im Körper - vorwiegend in Fettgewebe, z.B. im Gehirn - deponiert. Damit Quecksilber wieder ausgeschieden werden kann, muss es z.B. mit einem Chelatbildner in eine hydrophile Form überführt werden.

Weitere Schadenswirkungen von Quecksilber im Körper:

Aus einem Beitrag der Uni Erlangen:
"Ein großes Problem bei Quecksilber schafft der Körper selbst: Bestimmte Enzyme, die Methylgruppen übertragen, können auch Quecksilber methylieren. Das entstehende Dimethylquecksilber, eine metallorganische Verbindung, ist fettlöslich und kann daher die Zellmembran durchdringen. Das Schwermetall wird über den ganzen Körper verteilt und reichert sich im Fettgewebe an.
Quecksilberionen besitzen eine hohe Affinität zu Schwefel. Sie sind in der Lage, Disulfid-Brücken der Proteine aufzubrechen. Die Tertiärstruktur des Eiweiß-Moleküls wird dadurch verändert, das Protein verliert seine Funktionsfähigkeit. Diese Störungen können in allen Organen und Geweben auftreten, besonders anfällig ist das Nervensystem."

Zur Verdeutlichung der langen Halbwertszeit von Quecksilber im Gehirn berichtet Dr. Mutter über folgenden Fall:

"Ein gesunder Arbeiter war im Alter von 41 Jahren (1974) einmalig akut Hg-Dampf ausgesetzt. Anfangs waren die Hg-Werte im Urin stark erhöht, sie fielen aber innerhalb von 4 Wochen durch die Therapie mit einem Chelatbildner (D-Penicillamin) stark ab. Der Arbeiter litt bis zu seinem Tod 16 Jahre später an starker Müdigkeit, innerer Unruhe, starken brennenden Bauchschmerzen, einem latenten Diabetes mellitus und einem 'organischen Psychosyndrom'. Verschiedene medizinische Gutachten bis 1986 erklärten, dass der Hg-Gehalt seiner Organe seit 1976 "normal" sei. Auch wurde durch Provokationstests mit Chelatbildnern keine Erhöhung der Hg-Werte im Urin erreicht. Er starb 1990 an einem Lungentumor, ohne jemals wieder arbeitsfähig gewesen zu sein."

"Die Autopsie erbrachte höchste Hg-Werte im Kleinhirn (2190 ng/g), Okzipitalhirn (1090 ng/g), Thalamus (1010 ng/g), in Niere (1650 ng/g), Lunge (600 ng/g) und Schilddrüse (250 ng/g). Das meiste Hg fand sich übrigens intrazellulär in der Nähe des Zellkerns. Auch die Basalganglien und Motoneuronen zeigten intrazelluläre Hg-Depots in großer Dichte, welche offensichtlich über 16 Jahre weder natürlicherweise, noch durch die mehrmalige Unterstützung von Chelatbildnern ausgeschieden wurden."

Nach Klinghardt entstehen durch Schwermetalle im extrazellulären Raum Schmerzen, Brennen, Darmprobleme und die meisten anderen Symptome, während die Schwermetalle im intrazellulären Raum keine offensichtlichen Symptome hervorrufen, aber das Immunsystem zeigt Fehlfunktionen auf einem elementaren Niveau, was langfristig zu ernsthaften Erkrankungen führt.

Die Halbwertszeit ist der Zeitraum, in dem die Quecksilber-Belastung eines Organs auf die Hälfte abgesunken ist, wenn kein neues Quecksilber hinzukommt. Die Halbwertszeit beträgt mehrere Jahre, im zentralen Nervensystem 15 bis 28 Jahre oder mehr. Sie hängt sehr von der einwandfreien Funktion der Enzyme und Stoffwechselprozesse ab, die für die Quecksilber-Ausscheidung verantwortlich sind. Kommt ständig neues Quecksilber, etwa aus Amalgamfüllungen, hinzu, dann stellt sich (theoretisch) erst nach ca. 5 Halbwertszeiten ein stabiler Zustand ein (Quelle: BfArM-Bescheid vom 21.7.1995). Folglich nimmt die Quecksilberkonzentration im Gehirn des Amalgamträgers ein Leben lang zu.  

Pfeil nach oben2.3   Symptome

Zu den unterstrichenen Krankheiten stehen unter Links, Abschnitt 13, weitere Hinweise. Eine umfangreiche Symptomenliste steht auch in Daunderers Patienteninformation.

Quecksilber erhöht die Sensibilität gegenüber anderen Umweltgiften (z.B. Blei) und elektromagnetischen Feldern ("Elektrosmog"), und kann zu Mangelerscheinungen bei lebenswichtigen Spurenelementen (z.B. Zink, Selen) und Vitaminen (z.B. B3, B12) führen. Der Mangel kann durch schlechtere Resorption, erhöhten Verbrauch oder durch vermehrte Ausscheidung entstehen. Quecksilber verbraucht diese Stoffe bei seiner Ablagerung im Körper, etwa durch Komplexbildung mit Selen.

 

Pfeil nach oben2.4   Entgiftung und genetische Disposition

Die Schadenswirkung von Quecksilber ist individuell unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab: von den genetischen Bedingungen, von der Anwesenheit anderer toxischer Belastungen (z.B. Blei), von der Wirksamkeit der körpereigenen Zellentgiftung und der Ausscheidungsorgane und von der Immunsystembelastung. Bei amalgamsensiblen Personen ist offenbar die genetische Ausstattung, d.h. ob im Körper bestimmte für die Entgiftung wichtige Enzyme gebildet werden, von besonderer Bedeutung:

Falls eines der Enzyme nicht gebildet (exprimiert) wird, kann die Ausscheidung von Quecksilber, auch von anderen Schadstoffen und Medikamenten, beeinträchtigt sein. Spezielle Labore bieten eine Untersuchung des Blutes auf Gen-Varianten an. Auch für MCS/CFS-Patienten kann eine Untersuchung auf genetische Poymorphismen interessant sein, wenn als Ursache eine eingeschränkte Ausscheidung von Chemie-Giften angenommen wird.

Fachausdrücke:

 

Pfeil nach oben3   Diagnose

Leider gibt es keine diagnostische Methode, mit der die Quecksilberkonzentration am lebenden Menschen in den Körperzellen des Nerven- oder Immunsystems unmittelbar gemessen werden kann. Die WHO stellt fest:

"There are at present no suitable indicator media that will reflect concentrations of inorganic mercury in the critical organs, the brain or kidney, under different exposure situations.
[ ... ]
One important consequence is that concentrations of mercury in urine or blood may be low quite soon after exposure has ceased, despite the fact that concentrations in the critical organs may still be high." [21]

Es gibt momentan keine geeigneten Indikatormedien, die Konzentrationen von anorganischem Quecksilber in den kritischen Organen, Gehirn oder Nieren, unter unterschiedlichen Belastungssituationen widerspiegeln.
[ ... ]
Eine wichtige Konsequenz ist, dass Quecksilber-Konzentrationen in Urin oder Blut kurz nach dem Ende einer Exposition niedrig sein mögen, im Gegensatz zu der Tatsache, dass Konzentrationen in den kritischen Organen immer noch hoch sein können.

Es gibt keine Labordiagnostik, die unzweifelhaft bestätigt oder widerlegt, ob eine Amalgam- bzw. Quecksilbervergiftung vorliegt. Es sollten mehrere der unten beschriebenen Testmethoden angewandt werden. Bei Verdacht auf chronische Quecksilbervergiftung sollte auch überprüft werden, ob andere organische Erkrankungen vorliegen.

Schulmedizin und Wissenschaft

In den Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie ist seit langem bekannt, dass Quecksilber sich in biologischen Systemen anreichert, also ein Speichergift ist, und dass es hochgradig neurotoxisch ist. Einschlägige Erfahrungen hat etwa der Chemiker Prof. Alfred Stock, in den 1930er Jahren Vorstand des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in Berlin-Dahlem, beschrieben. Auch in den meisten Lexika wird nur die neurotoxische Wirkung genannt. Die Quecksilberstrategie von EU und UNEP beruht im wesentlichen auf der Neurotoxizität. Manchmal wird auch die immun-toxische Wirkung erwähnt.

In der medizinischen Forschung werden Neuro- und Immun-Toxizität manchmal berücksichtigt. In vielen Studien wird jedoch die Speicherwirkung ignoriert; aus den beobachteten Daten werden dann falsche Schlüsse gezogen. Amalgambefürworter beziehen sich gerne auf solche fehlerhafte Studien.

In der klinischen Schulmedizin wird die Speicherwirkung und die Einwirkung von Quecksilber auf das zentrale Nervensystem ignoriert. Fast alle Neurologen sind völlig ahnungslos; sie interessieren sich nicht für das Thema; s. auch ärztl. Fachverbände. Schulmedizinisch lässt man nur die Schädigung des Immunsystems gelten, aber auch nur dann, wenn sie im Epikutantest erkennbar wird und zusätzlich "charakteristische klinische Bilder wie Kontaktstomatitis, Gingivitis, Lichen ruber der Mundschleimhaut oder rezidivierende aphthöse Veränderungen" bestehen. (Quelle: Deutsche Kontaktallergiegruppe)

In einer Antwort des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages vom 9.5.2001 (Punkt 2.10.3, Seite 44), zusammengestellt von schulmedizinischen "Experten", heißt es: "Weitere zugeschriebene Nebenwirkungen wie z. B. Störungen des Nervensystems oder des Autoimmunsystems konnten bisher nicht bestätigt werden."

Prof. Stocks Feststellung, "daß die der Ärzteschaft damals wenig bekannte chronische Quecksilbervergiftung unerwartet verbreitet ist und daß sie auch von Amalgam-Zahnfüllungen hervorgerufen werden kann", ist auch nach 80 Jahren unverändert aktuell. Seine andere Feststellung "leider gibt es für die Amalgame [...] für die Massen- (und Kassen-)Praxis noch keinen vollwertigen Ersatz" ist dagegen glücklicherweise überholt.

S. dazu auch den Kasten "Warum sind Blut und Urin als Indikatoren einer Hg-Belastung nicht geeignet?"

Bei jedem Menschen ist diejenige Quecksilber-Dosis unterschiedlich, die zu den Krankheitssymptomen einer chronischen Vergiftung führt, weil die Fähigkeit, Quecksilber auszuscheiden, von mehreren Faktoren abhängt (s. auch Abschnitt 2.4), und deshalb bei gleicher Anzahl Füllungen unterschiedlich viel Quecksilber in den Organen deponiert wird. Andere Schadstoffe können die Toleranz des Körpers gegenüber Quecksilber verringern. Beim Auftreten von Krankheitssymptomen, z.B. Allergien, hat das Gift bereits im gesamten Zellsystem seine Wirkung ausgeübt.

 

Pfeil nach oben3.1   Testmethoden

Ist die Unschädlichkeit von Amalgam nachgewiesen?

Die "Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde" (DGZMK) behauptet: "Vielmehr ist richtig, dass ... trotz höchstempfindlicher Untersuchungsmethoden bis heute in keinem Fall der naturwissenschaftliche Nachweis geführt wurde, dass Amalgam oder das in ihm gebundene Quecksilber die Ursache der Erkrankung sei."

Die DGZMK hat dann allerdings in einem Schreiben vom 11.12.1989 zugegeben:
"... Anders sieht es jedoch aus, wenn man nach einer Methode sucht, den Nachweis dazu zu erbringen, dass Amalgam oder das in ihm gebundene Quecksilber als Ursache für eine Erkrankung angesehen werden soll. Wissenschaftlich anerkannte Verfahren gibt es dazu bis heute nicht. Daraus ergibt sich, dass wir Ihnen auch keine Befunde, bei denen der Nachweis der Ursächlichkeit des Silberamalgams gegeben ist, mitteilen können, mit Ausnahme vielleicht sehr selten auftretender allergischer Reaktionen, die bei manchen Patienten allerdings auch im Kontakt mit Edelmetallen auftreten können."
(Hervorhebungen im Text wurden nachträglich angebracht)

Quelle: Schriftverkehr mit dem Präsidenten der DGZMK, Prof. Dr. Rolf Nolden, veröffentlicht in "Amalgam - Wissenschaft und Wirklichkeit" von Dr. Wolfgang Koch unter Mitarbeit von Martin Weitz; dazu Erläuterung. Herausgeber: Öko-Institut e.V., 1991.

Leider lehnen Schulmedizin und Krankenkassen die meisten Diagnosemethoden ab, so dass nach deren Logik eine Quecksilber-Intoxikation wissenschaftlich weder diagnostiziert noch ausgeschlossen werden kann. Der Schulmediziner sagt - etwa nach einer telefonischen Blitzdiagnose: "Die Ursache Ihrer Krankheiten mag zwar unbekannt sein, aber Amalgam kann es nicht sein!". Dogmatische Begründung:
  1. Es gebe festgelegte Grenzwerte für die zulässige Quecksilberaufnahme

  2. Es sei beinahe unmöglich, dass diese Grenzwerte durch Amalgam überschritten werden.
Wenn Sie sich dieser schlichten Logik nicht anschließen mögen, wird der Schulmediziner psychische Probleme bei Ihnen vermuten. Auch wenn den Gesundheitsbehörden weltweit hunderttausende vermutete Fälle von Amalgam-Intoxikation gemeldet wurden, gibt es kaum anerkannte Fälle. Damit ein Fall "anerkannt" wird, muss er zumindest mit einer anerkannten Methode diagnostiziert worden sein. Allerdings werden solche Methoden (mit Ausnahme des untauglichen Epikutantests) nicht festgelegt.

Deshalb muss der Patient die Verantwortung für die Wiedergewinnung seiner Gesundheit selbst übernehmen, geeignete Ärzte finden und sich um die erforderlichen Diagnosen kümmern, bis er selbst davon überzeugt ist, dass seine Krankheit durch Quecksilber verursacht wurde.  

Pfeil nach oben3.2   Grenzen der Diagnostik

Die eigentliche Frage, wie hoch der Körper durch Quecksilber belastet ist, lässt sich unmittelbar durch kein Labor-Verfahren beantworten, außer im Rahmen einer Autopsie. Die Quecksilberkonzentration in den Nervenzellen des ZNS ist am lebenden Menschen nicht nachweisbar. Möglich ist die Messung der Ausscheidung nach Einnahme eines Chelatbildners (DMPS, DMSA), jedoch sind auch damit falsch-negative Testergebnisse möglich, wenn die Ausscheidung blockiert ist.

Leider gibt es keine Testmethode, die die Ursache von z.B. Migräne eindeutig der Quecksilberbelastung zuordnet. Der Beweis, daß Quecksilbervergiftung die Ursache der Migräne war, wird erst geliefert, wenn die Migräne durch Entfernung der Amalgamfüllungen und durch Giftausleitung allmählich verschwindet. Auch dieser Beweis im Einzelfall reicht aber dem Bundessozialgericht nicht aus, wenn es zur Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenkasse entscheidet.

In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD10) können folgende Kennziffern angewendet werden:

Zur juristischen Bewertung der diagnostischen Methoden stehen unter "Gerichts-Urteile" weitere Hinweise.


 

Pfeil nach oben4   Therapie

Hier können nicht alle Bedingungen und Nebenwirkungen einer Therapie beschrieben werden. Deshalb sollten therapeutische Maßnahmen grundsätzlich ärztlich begleitet werden.

Die Therapie enthält 3 Bestandteile

  1. Expositionsstopp: die Schwermetallquelle, also die Amalgamfüllungen, muss aus dem Körper entfernt werden,
  2. das Zielgewebe der Schwermetalle - zentrales Nervensystem, Nieren, Bindegewebe etc. - muss entgiftet werden,
  3. Zellstoffwechsel und körperliche Erholung müssen durch Vitalstoffe unterstützt werden.

 

Pfeil nach oben4.1   Massive Schäden sofort behandeln

Massive Schäden, z.B. Nierenschwäche oder Migräne, müssen sofort - unabhängig von der Vergiftungs-Diagnose - behandelt und sollten wenigstens symptomatisch gelindert werden.

 

Pfeil nach oben4.2   Amalgamfüllungen entfernen

Auch wenn sich beim Amalgam-Träger zur Zeit noch keine Anzeichen einer chronischen Quecksilbervergiftung zeigen - es gibt mehrere gute Gründe, die Füllungen bei nächster Gelegenheit gegen ein weniger giftiges Material austauschen zu lassen:

Amalgam-Füllungen sollten mit 3-fach-Schutz schonend mit nicht zu schnell drehenden Bohrern herausgebohrt oder in einzelnen Stücken entfernt werden, damit der Körper möglichst wenig zusätzlich belastet wird (s. Video auf YouTube):

Sprechen Sie mit dem Zahnarzt vor der Behandlung über die Schutzmaßnahmen; er sollte Erfahrung in der Entfernung von Amalgamfüllungen haben. Wenn der Patient Symptome einer chronischen Quecksilber-Vergiftung hat, sollte der Schutz vor weiterer Vergiftung besonders sorgfältig geplant werden. Wenn der Zahnarzt kein Verständnis für die Gefahr einer zusätzlichen Quecksilber-Vergiftung bei der Entfernung der Amalgamfüllungen hat, dann verlassen Sie die Praxis und suchen sich einen anderen. Die nachträgliche Entfernung des Giftes, das durch unsachgemäße Arbeit in den Körper des Patienten gelangt ist, ist wesentlich aufwändiger als die Schutzmaßnahmen im Rahmen einer professionellen Amalgamentfernung.

Bei der Festlegung eines Zeitrahmens für die Amalgamentfernung wird manchmal die Bearbeitung der Quadranten (links oben, rechts oben, links unten, rechts unten) im Abstand von einer oder mehreren Wochen empfohlen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass bei Beachtung der Schutzmaßnahmen eine zusätzliche körperliche Belastung weitgehend vermieden wird. Andererseits ist vor dem Hintergrund möglicher allergischer Reaktionen eine zügige Entfernung der Metalle sinnvoll. "Das Immunsystem wird durch die Belastung, die auch bei optimalen Schutzmaßnahmen entsteht, alarmiert. Die Zahl der Immunzellen, die auf Bestandteile der entfernten Legierungen reagieren, steigt innerhalb von 10 bis 14 Tagen an. Dadurch erhöht sich in einer späteren Sitzung die Gefahr einer allergischen Reaktion durch die bereits sensibilisierten Lymphozyten. Da die Stärke der Immunreaktion nach ca. 8 Wochen wieder abnimmt, ist alternativ eine quadrantenweise Sanierung alle zwei bis drei Monate sinnvoll durchführbar." (Quelle: Dr. Holger Scholz in COMED 10/07)

Bei der Amalgamentfernung sollte bedacht werden, dass sich unter den Kronen auch Aufbaufüllungen aus Amalgam befinden können. Anhand einer Panoramaaufnahme kann ein erfahrener Zahnarzt Schwermetalldepots und Zahnherde im Kiefer erkennen. Falls Zähne gezogen werden, soll - nach Daunderer - der vergiftete Kiefer ausgefräst werden, die Wunde etwa 3 Wochen offen gehalten werden und darin soll ein mit Terracortril-Augentropfen dünn bestrichener Wundgaze-Streifen eingelegt werden, der alle 3 Tage zu wechseln ist. Der Zahnarzt soll die Zähne dem Patienten geben, der sie untersuchen lassen kann (s. Daunderer, Max: Amalgam - Patienteninformation).

Wurzelbehandelte und tote Zähne können eine gesundheitliche Gefahr sein, da sich Bakterien und Leichengifte entwickeln und dadurch Entzündungsherde entstehen. Weitere Informationen bei Dr. Lechner.

Leider werden die meisten hier beschriebenen Maßnahmen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.- Hinweise zu neuen Füllungen in Abschnitt 4.4.

 

Pfeil nach oben4.2.1   Abrechnung mit der Krankenkasse

Grundlage der Abrechnung des Zahnarztes mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das Legen einer Füllung ist der "Einheitliche Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen" (BEMA). Die Füllung einer Kavität (Hohlraum im Zahn) mit einem Zahnersatzmaterial wird nach Teil 1, Abrechnungsziffer 13 abgerechnet:

  1. einflächig
  2. zweiflächig
  3. dreiflächig
  4. mehr als dreiflächig oder Eckenaufbau im Frontzahnbereich unter Einbeziehung der Schneidekante
  5. einflächige Kompositfüllung im Seitenzahnbereich
  6. zweiflächige Kompositfüllung im Seitenzahnbereich
  7. dreiflächige Kompositfüllung im Seitenzahnbereich
Nach Meinung vieler Zahnärzte ist mit Amalgam die preisgünstigste Versorgung einer Kavität im Seitenzahnbereich möglich; tatsächlich, mit Einbeziehung aller Folgekrankheiten, ist dies die teuerste Behandlung. Amalgam gilt als Regelversorgung, wird aber im BEMA nicht mehr ausdrücklich gefordert. Gemäß einem Abrechnungsinfo der KZV RLP ist jede vertragszahnärztliche Praxis "grundsätzlich verpflichtet, einem GKV-Patienten eine zuzahlungsfreie Füllung als Kassenleistung anzubieten. [...] Einfache Composite-Füllungen, die nicht als SDA-Füllungen in Mehrschichttechnik erbracht werden, sind zuzahlungsfrei".

Festlegungen im BEMA, Abrechnungsziffer 13:

Der Zahnarzt erhält für eine Füllung


als Festzuschuss 1) für Kompositfüllungen
1-flächig (13a) 2-flächig (13b) 3-flächig (13c) 1-flächig (13e) 2-flächig (13f) 3-flächig (13g)
Punkte 2) 32 39 49 52 64 84
Betrag [Euro] 2) 26,74 32,58 40,94 43,45 53,47 70,18

1) Der Festzuschuss wurde auf der Basis des preisgünstigsten Füllungsmaterials (Amalgam) festgelegt. Der Zahnarzt kann nach Absprache mit dem Patienten Amalgam, Glasionomerzement, Komposit oder jedes andere erprobte, praxisübliche Material verwenden.

2) Bei der Umrechnung Punkte -> Betrag entspricht 1 Punkt = 0,8355 Euro für RVO-Versicherte (AOK, BKK etc.). Für VdAK-Versicherte (Ersatzkassen) erhält der Zahnarzt etwas mehr, weil ein höherer Punktwert von 0,9041 Euro gilt (Stand: 1.1.2007; Quelle: Wikipedia).

Ergänzende Hinweise (s. Abrechnungsinfo der KZV)

  1. Jede vertragszahnärztliche Praxis ist grundsätzlich verpflichtet, einem GKV-Patienten eine zuzahlungsfreie Füllung als Kassenleistung anzubieten.
  2. Einfache Composite-Füllungen, die nicht als SDA-Füllungen in Mehrschichttechnik erbracht werden, sind zuzahlungsfrei. (SDA = Schmelz - Dentin - Adhäsiv - Technik)
  3. Möchte der Zahnarzt im Rahmen seiner Therapiefreiheit auf den Einsatz von Amalgam bei Füllungen im Seitenzahnbereich verzichten, muss er eine andere zuzahlungsfreie Alternative anbieten.
  4. Aber: bei einfachen Composite-Füllungen kann nach kurzer Zeit ein Randspalt entstehen; die Füllung wird dann undicht und es kann Sekundär-Karies entstehen. SDA-Füllungen haben diesen Nachteil nicht.

 

Pfeil nach oben4.3   Ausleitung

Die Ausleitung darf erst nach Entfernung der Füllungen beginnen, weil das Quecksilber durch die Ausleitung mobilisiert wird. Solange die Füllungen drin sind, könnte Quecksilber aus den Füllungen zusätzlich im Körper verteilt und abgelagert werden.

Ausleitung bedeutet
  1. Mobilisation
    Das Quecksilber muss aus der Körperzelle herausgelöst werden und und zur Blut- und Lymphbahn wandern, die hier die Funktion eines Abwasserkanals übernehmen. Ausleitung ist ein lang dauernder Prozeß, weil das in den Zellen fest eingelagerte Quecksilber mühsam herausge"lockt" werden muß. Schon deshalb haben hoch dosierte oder zu häufige Anwendungen mit DMPS bzw. DMSA wenig Sinn.
  2. Ausscheidung
    Die Ausleitung kann nur gelingen, wenn die Ausscheidungsorgane (Nieren, Leber und Darm) gut funktionieren. Das kann durch Blut-, Harn- und Stuhluntersuchungen überprüft werden. Vor allem Darmpilze (Candida), die sich häufig als Folge der Quecksilberbelastung ausbreiten, sind dafür verantwortlich, dass bei der Passage durch den Darm das schon gebundene Quecksilber vom Körper erneut aufgenommen wird (=> Rückresorption). Mit Einläufen oder Darmspülungen (Colon-Hydro-Therapie) kann der Darm gereinigt werden. Leinsamen hilft gegen Verstopfung.
    Weitere Auscheidungsorgane sind das Lymphsystem, die Haut (schwitzen) und die Lunge (ausatmen).

Alle Maßnahmen zur Mobilisation bergen die Gefahr, dass Quecksilber im Körper nur umherwandert. Das Gift wird dann an anderer Stelle deponiert, aber nicht ausgeschieden, und es treten erneut Vergiftungssymptome auf. Deshalb ist es problematisch, aus der subjektiven Befindlichkeit bzw. aus der körperlichen Reaktion auf eine Ausleitungsmethode auf deren Wirksamkeit zu schließen. Möglicherweise muss dann eine Dosis verringert oder erhöht werden, der zeitliche Ablauf neu durchdacht werden und/oder mehrere Methoden kombiniert werden. Guten Aufschluss über den Entgiftungsverlauf geben kontinuierliche Tests (s. Abschnitt 3.1).

Problematisch kann eine radikale Pilzbekämpfung sein. Die Pilze nehmen einerseits Gifte in sich auf, wollen andererseits ernährt werden und scheiden möglicherweise selbst (neuro-)toxische Stoffe aus. Eine massive Abtötung der Pilze durch Antimykotika kann zur unkontrollierten Freisetzung der zuvor gespeicherten Schwermetalle führen.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es bei der Verbesserung der Gesundheit mal nicht sofort vorangeht.

 

Pfeil nach oben4.3.1   Viel Wasser trinken

Es gibt gute Gründe, auch ohne Durst viel Wasser zu trinken: pro Tag etwa 3 Liter Mineralwasser, sauberes Leitungswasser oder Kräutertee (Kaffee und Cola zählen hier nicht!). Damit wird die Giftausleitung und die Erholung der Stoffwechselprozesse unterstützt und die Nieren werden geschützt. Besonders wichtig ist die reichliche Flüssigkeitszufuhr nach Anwendung von Chelatbildnern, weil sie die Quecksilberverbindungen in eine wasserlösliche Form überführen, und von Algen.

 

Pfeil nach oben4.3.2   Chelatbildner

Bezugsquellen s. Links.

"DMPS bildet mit vielen Schwermetallen stabile Komplexe. [...] Überwiegend handelt es sich dabei um Chelate, d.h. um Komplexe, bei denen die Schwermetalle in einer Ringstruktur gebunden sind. Die Stabilität der Ringstruktur ist ein Grund dafür, dass Dithiole das Quecksilber besser aus seinen Bindungen an Biomoleküle lösen können als Monothiole." (aus der Produktmonographie des DMPS-Herstellers Heyl).
DMPS besitzt zwei Schwefel-Wasserstoff-Arme, die Sulfhydril-(SH-)Gruppen. Sie binden Metalle fest an sich, am stärksten Quecksilber (Hg2+) und Silber (Ag+), außerdem Methyl-Hg+, In3+, Cu2+, Ni2+, Cd2+, Pb2+, Zn2+, Co2+, Sn2+, Fe2+, Cr3+ und Mn2+ [23].

DMPS-Strukturformel

2,3-Dimercapto-1-propansulfonsäure, DMPS

In der Praxis können mit DMPS neben Quecksilber auch größere Mengen Zink und Kupfer ausgeschieden werden, weil diese essenziellen Mineralien in großer Menge im Körper vorhanden sind. DMPS - als Kapsel "Dimaval" oder als Spritze - bzw. Unithiol ist dennoch sehr wirksam für die Quecksilber-Ausleitung, am stärksten 2 Stunden nach DMPS-Gabe. Um die Ausscheidung zu unterstützen, sollte viel Wasser getrunken werden. "Bei Amalgamträgern mit Beschwerden sind die Quecksilberwerte nach Provokation mit DMPS tendenziell niedriger als bei solchen ohne Beschwerden (Projekt IV); dies weist auf quecksilberbedingte Beeinträchtigung von Ausscheidungsmechanismen hin" (Dr. Mutter in einem Kommentar zur Münchner Amalgamstudie)

Zu Beginn der Behandlung sollte die Dosis langsam gesteigert werden, um Abwehr- bzw. Unverträglichkeitsreaktionen des Körpers sofort zu erkennen. Die Spritze sollte als Infusion (etwa 20 - 30 Minuten) gegeben werden. In vielen Fällen registrieren die Patienten eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes. DMPS kann bei Verträglichkeit mehrfach wiederholt werden; allerdings besteht bei längerer Einnahme auch die Gefahr, dass das Stoffwechselsystem geschädigt wird. Es werden schwere Körperschäden durch DMPS berichtet, vor allem bei akuter oder sehr weit fortgeschrittener Quecksilber-Vergiftung und bei Vorliegen von Autoimmunkrankheiten! Grund: die Mobilisation bedeutet praktisch eine erneute Vergiftung, also Überschwemmung des Körpers (vor allem der Nieren) mit Quecksilber. DMPS darf bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin im Serum > 2,5 mg/dl) wegen Gefahr der Niereninsuffizienz und bei bereits eingetretenen Autoimmunkrankheiten wie Asthma oder Multipler Sklerose nicht angewendet werden!

"... sollte man in den extrem seltenen Fällen einer schweren Nierenerkrankung (Kreatinin über 4,5 mg/g) die Erstausscheidung über den Stuhl mit DMPS-Kapseln einleiten. Die Spritze in den Muskel scheidet die Gifte langsamer und länger und damit schonender aus. Allerdings sind die Messergebnisse nicht so verlässlich und der Heilungseffekt für den Patienten nicht so auffällig - der oft erst durch das Gegengift erfährt, was Quecksilber u.a. im Körper bewirkte." (Daunderer: "Amalgam", 6. Auflage 2000)

Da sich im Kiefer extrem hohe Quecksilberkonzentrationen ansammeln können, empfiehlt Klinghardt [8], DMPS direkt in den Kieferknochen zu injizieren. Durch die zusätzliche Anwendung eines Neuraltherapeutikums (Procain) wird die Wirkung weiter verbessert. Allerdings besteht die Gefahr der Bildung von Nekrosen.- Diese Methode - lokale Entgiftung mit DMPS plus Procain - wird auch an anderen Körperstellen mit Erfolg angewandt. Dr. Mutter schreibt in "Amalgam - Risiko für die Menschheit": Neuraltherapeutisch kann mit diesem Mittel [gemeint ist DMPS] die Entgiftung von Nerven verstärkt werden. Dabei ist das Mittel zusammen mit einer örtlichen Betäubung (zum Beispiel Procain als Lokalanästhetikum) in einer 1:9 Verdünnung in die Nähe von vegetativen Nervenknoten im Gesicht und Hals zu spritzen. Diese Therapie sollte aber nur von einem erfahrenen Neuraltherapeuten ausgeführt werden.

DMPS wird bei oraler Einnahme als Dimaval-Kapsel unsicher und weniger gut vom Körper aufgenommen als bei einer Infusion. Deshalb ist bei Kapseln eine höhere Dosis erforderlich und die Laborergebnisse der Quecksilberausscheidung lassen weniger genaue Rückschlüsse auf das Ausmaß der Vergiftung zu.

Es ist fraglich, ob es nutzt, DMPS zu schnüffeln, z.B. 1 mal pro Woche. Dies wurde von Daunderer empfohlen, jedoch vom Hersteller Heyl als wirkungslos eingestuft.

DMSA-Strukturformel

2,3-Dimercaptosuccinic acid, DMSA

Ein weiterer Chelatbildner ist DMSA, USA-Produktname "Chemet". Es ist ein weißes Pulver, weniger effektiv als DMPS, zeigt weniger Nebenwirkungen und hat ein geringeres Allergie-Potential. Es entgiftet zunächst die Leber. Es wurde vermutet, dass DMSA die Blut-Hirn-Schranke überwindet und deshalb Schwermetalle auch aus dem Gehirn ausleitet. "Für die vielfach postulierte Annahme "DMSA geht in das Gehirn" und eine entsprechende "Gehirndetoxifikation" von Schwermetallen wie Quecksilber durch DMSA beim Menschen gibt es keine hinreichenden Belege oder gar Beweise [23]." Zudem gibt es bisher für die Quecksilber-Entgiftung mit DMSA keine Nutzen-Risiko-Abwägung [13]. Nach Daunderer soll es bei Multipler Sklerose nicht angewandt werden. Zu Beginn der Behandlung sollte die Dosis, vor allem bei schwerer Vergiftung, langsam, von 50 mg beginnend, gesteigert werden (ähnlich wie bei DMPS). Nach der Einnahme sollte man viel Flüssigkeit (Wasser, Kräutertee) zu sich nehmen. DMSA ist in Deutschland nicht zugelassen, in USA für Blei-Entgiftung zugelassen. Es kann jedoch vom Arzt verordnet werden. Es ist in Kapseln zu 50, 100 und 200 mg erhältlich. Weitere Informationen und Bezugsquelle: jede Apotheke bzw. s. Links.

Weitere Chelatbildner:
EDTA (Ethylenediamine tetraacetic acid) hat nur eine schwache Bindung an Quecksilber. Zudem besteht der Verdacht, dass der durch Chelatbildung entstehende Hg-EDTA-Komplex chemisch nicht stabil ist, sondern wichtige biologische Prozesse im Gehirn blockiert. Das Haupteinsatzgebiet von EDTA ist die Blei-Entgiftung, die Behandlung von Arteriosklerose und anderen chronisch degenerativen Erkrankungen, die auf Schwermetallvergiftung beruhen. Dr. Cranton [4] hat im Internet einen ausführlichen Beitrag zu EDTA veröffentlicht.
BAL (British Anti-Lewisite) wird zur Arsen-Entgiftung verwendet. Bei Intoxikationen mit organischen Quecksilberverbindungen ist es kontraindiziert, da es fettlösliche Komplexe bildet und zu einer Aufnahme von Hg in das Gehirn führt, wobei es schwere ZNS-Probleme auslösen kann. (Quelle: M. Berlin in "Handbook on the Toxicology of Metals", 3rd Edition)

 

Pfeil nach oben4.3.3   andere Therapien, die die Ausleitung fördern

Helmut Beck zeigt in einem Beitrag ([26]) über den eigenen Fall, dass durch Bioresonanztherapie die Hg-Ausscheidung über den Stuhl deutlich angehoben werden konnte.

Schwefel, das entscheidende Element in DMPS und DMSA, wird zu Unrecht als "teuflisch" gebrandmarkt. Es ist das sechsthäufigste Element auf der Erde und das dritthäufigste Mineral im menschlichen Körper. Es ist die Schlüsselkomponente in wichtigen Aminosäuren wie Methionin, Cystein, Taurin und Glutathion. Es unterstützt biochemische Prozesse, die Gifte wasserlöslich machen, wodurch sie besser ausgeschieden werden können. Reich an Schwefel sind Bärlauch (s.u.), Weisskohl, Broccoli, Knoblauch (nur die frische Pflanze, keine Pillen), Zwiebeln, Senf, Meerrettich, Radieschen, Kapuzinerkresse, Bohnen, Spargel, Soja, Eier und Fisch [14]. Leider geht viel Schwefel beim Erhitzen verloren. Zur Nahrungsergänzung kann MSM (Methylsulfonylmethan) eingenommen werden, eine organische und biologisch aktive Form von Schwefel, die in der Natur in allen lebenden Organismen vorkommt, besonders in frischen grünen Blättern (Gemüse, Salat, Wildkräuter und Baumblätter).- Bei Schwefelallergie ist besondere Vorsicht geboten!

Das schwefelreiche Bärlauch (lat. "Allium ursinum") bindet mit seinen Schwefelgruppen fettlösliche Schadstoffe wie Quecksilber und überführt sie in eine nierengängige Form. Diese natürlichen Schwefelverbindungen wirken als Chelatbildner für Schwermetalle und binden vorwiegend das Quecksilber, das sich in Gewebe, Blut und Darm befindet. So entstehen stabile Komplexe, die eine Wiederaufnahme der Schwermetalle im Körper verhindern und einer bloßen Umverteilung vorbeugen. Das Quecksilber geht aufgrund der Stabilität der Komplexe nicht mehr in den enterohepatischen Kreislauf ein und kann über Nieren und Darm ausgeschieden werden.- Bärlauch ist im Frühjahr (März - Mai) als frisches Gemüse erhältlich. Wer die Bärlauchblätter selbst im Wald sammelt, sollte sie nicht mit den ähnlich aussehenden giftigen Maiglöckchenblättern verwechseln; Erkennungsmerkmal: der starke Geruch von Bärlauch ist Knoblauch-ähnlich. Bärlauch wird als gepresste Kapseln, als Bärlauchtinktur (Auszug mit Alkohol) oder als Pesto (kleingehackt und mit Olivenöl vermischt) gehandelt.

Alpha-Liponsäure wird im Körper synthetisiert, kann aber auch eingenommen werden. Sie ist schwefelhaltig, hat hohe antioxidative Wirkung, unterstützt die Schwermetall-Mobilisierung und die Heilung geschädigter Nervenzellen, z.B. bei diabetischer Neuropathie. Sie hat vielfältige Schutzfunktionen gegen neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson.

Relativ neu auf dem Markt ist "OSR" (Oxidative Stress Relief). Sein Wirkstoff ist hochreines N1,N3 -bis (2-mercaptoethyl)isophthalamide. "OSR wirkt als stärkstes Antioxidans, erhöht bei autistischen Kindern den Glutathionspiegel so stark wie keine bisher bekannte Substanz und kann möglicherweise auch bei liegenden Amalgamfüllungen gegeben werden." (Mutter, Gesund statt chronisch krank)

Der Japaner Yoshiaki Omura hat in einer Studie beobachtet, dass 3 bis 5 g Korianderkraut (lat. "Coriandrum sativum", engl. "chinese parsley") eine gute Schwermetallelimination herbeiführen. Die Inhaltsstoffe der Korianderblätter sind in der Lage, das an den Ionenkanälchen anhaftende Quecksilber zu lösen. Es erscheint danach sogleich im Gewebe und ist mit Elektroakupunktur oder kinesiologischen Verfahren testbar. Vitamin C und vermutlich auch andere ähnlich starke Antioxidantien heben die Wirkung von Koriander auf und sollten daher nicht gleichzeitig eingenommen werden. Nach Dr. Dietrich Klinghardt ist frischer Koriander die einzig bekannte Methode, Gehirn und Nervengewebe von Quecksilber zu entgiften. Alle anderen Mittel, die zur Hg-Mobilisierung eingesetzt werden, auch DMPS oder D-Penicillamin, können die Blut-Hirn-Schranke nicht ausreichend überwinden, während Koriander eben dazu in der Lage ist. Allerdings: Korianderkrautextrakt unterstützt die Passage von Quecksilber aus dem intrazellulären Bereich der Nervenzellen des Gehirns in den extrazellulären, leider auch in der Gegenrichtung. Es sollte deshalb erst dann genommen werden, wenn das übrige Körpergewebe weitgehend entgiftet ist. Verwendbar ist auch Para-Cilantro, ein Korianderkrautextrakt, der von der Paracelsus-Apotheke in Einsiedeln, Schweiz, hergestellt wird.

Algen: Für die Ausleitung von Quecksilber werden zwei Süßwasseralgen verwendet: Chlorella pyrenoidosa und vulgaris (nicht: Spirulina oder andere Algen, wie Super-Blau-Grünalgen!). (Algen werden auch in Kläranlagen zur Abwasserreinigung von Schwermetallen eingesetzt.) Sie werden in Tabletten- oder Pulverform gehandelt. Chlorella enthält wichtige Nährstoffe, etwa Polysaccharide und Methylcobalamin, eine Abart von Vitamin B12 (s.u.), wodurch Quecksilber aus dem Bindegewebe in die Blutgefäße geleitet wird, von hier über die Darmwand in den Stuhl und nach Absorption an die feste Zellwand ausgeschieden wird. Sie binden Quecksilber im Darm, so dass eine Rückresorption (enterohepatischer Kreislauf) bzw. eine bloße Umverteilung nach Einnahme von DMPS, DMSA, Koriander oder Bärlauch unterbunden wird. Im Stuhl findet man etwa die 20-fache Menge an Quecksilber gegenüber dem im Urin.
Neben der Quecksilberausleitung haben Algen noch weitere wertvolle Eigenschaften: über Alginsäure binden sie radioaktive Substanzen und scheiden sie aus. Sie leiten organische Gifte wie PCB, Aromate, Insektizide und Formaldehyd aus, steigern die Entgiftungsfähigkeit der Leber für Alkohol und stellen dem Körper Antioxidantien und Enzyme zur Verfügung, die für den Entgiftungsprozess benötigt werden.
Es gibt Hinweise, dass die Algen selbst mit Schwermetallen kontaminiert sein können, wenn sie nicht in sehr sauberer Umgebung geerntet wurden.- Algen können auch Jod enthalten. Speziell gezüchtete Süßwasseralgen wie die Chlorella-Algen sollten Jod nur in geringen Spuren enthalten.

Daunderer empfiehlt Medizinalkohle in Pulverform. Damit wird Quecksilber im Darm gebunden, so dass der enterohepatische Kreislauf verhindert wird. Man nehme 1 mal wöchentlich 10 g. Kohle ist auch dann noch verwendbar, wenn viele andere Stoffe wegen Allergieauslösung nicht mehr eingesetzt werden können. Leider werden auch Vitamine, Pilze und Darmbakterien gebunden.

 

Pfeil nach oben4.3.4   Enzyme, Vitamine, Mineralien und Sauerstoff

Die ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen (Vitamine und Mineralien) ist entscheidend für eine erfolgreiche Entgiftungstherapie. Es empfiehlt sich, das Blut auf Mängel im Vitamin- und Mineralienhaushalt zu untersuchen. Wegen ihrer antioxidativen Wirkung sind die Vitamine C und E von besonderer Bedeutung: die schädliche Wirkung von freien Radikalen wird begrenzt und Körperzellen-Schäden werden verhindert bzw. geheilt.

Vitamine und Glutathion:

Mineralien, Spurenelemente

Ein Vitamin- und Mineralienmangel, der auf Stoffwechselstörung beruht, kann durch eine erhöhte Zufuhr von Vitalstoffen, etwa als Nahrungsergänzungsmittel, teilweise kompensiert werden. Alle Vitalstoffe sollten vorzugsweise mit natürlicher Nahrung und nicht nur als konzentrierte Präparate aufgenommen werden, weil die natürliche Nahrungsumgebung besser für die richtigen Mengenverhältnisse sorgt, weitere Wirkstoffe (Bioflavonoide) enthält und damit die Bioverfügbarkeit verbessert. Aber manchmal ergeben erst "Megadosen" (Dosis deutlich höher als durch Nahrung möglich und üblich) die gewünschte therapeutische Wirkung. Gesundheitliche Probleme können auch durch eine Übersäuerung des Körpers entstehen, sei es durch ungesunde Ernährung, Giftbelastung oder Stress. Der Körper ist dann nicht mehr in der Lage, den idealen pH-Wert durch Ausscheidung saurer Komponenten herzustellen und deponiert diese im Körper. Hilfreich kann die Ernährung mit basischen Lebensmitteln (die meisten Obst- und Gemüsesorten), die Einnahme eines Basenpulvers (z.B. Kaiser Natron) oder eines Mineralien-Präparats (z.B. Dolomit Dolpes oder Basica) sein.

Spezielle Gesundheitsprodukte, die zur Ausleitung eingenommen werden: Ultra Clear, Algamin, Microhydrin. Zur äußerlichen Körperreinigung: Body Detox Elektrolyse-Fußbad.

Fischöl (in Kapseln erhältlich) enthält die wichtigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Sie sind nützlich gegen die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und für die Verbesserung der Gehirnleistung. Sie sind optimal geeignet für den Aufbau von dünnen und durchlässigen Zellmembranen für eine gute Nährstoffversorgung in die Zellen und den Abtransport der Schlacken aus den Zellen. Ob der verstärkte (tägliche) Verzehr von Fisch - wegen der Gefahr der zusätzlichen Schwermetall-Belastung (siehe Tabelle in Abschnitt 1.3) - schädlich ist, ist fraglich. Untersuchungen [16] deuten auf positive Wirkungen hohen Fischverzehrs hin, weil Fisch auch Selen enthält. Fisch kann auch viel Jod enthalten; regelmäßige hohe Joddosen können zu einer Hashimoto-Erkrankung führen.

Sauerstofftherapien unterstützen die Entgiftung.

 

Pfeil nach oben4.3.5   Weitere Maßnahmen

 

Pfeil nach oben4.3.6   Homöopathie

Einige Ärzte arbeiten mit potenzierten (verdünnten) Quecksilbersalzen wie z.B. Mercurius solubilis, um nach dem Prinzip der Homöopathie "Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen". Allerdings ist fraglich, ob dieses Prinzip auf Vergiftungen angewandt werden kann. Für Hahnemann, Urvater der Homöopathie, gehören in § 67 des "Organon" akute Vergiftungen zu den seltenen Ausnahmefällen, in denen das Ähnlichkeitsprinzip nicht anwendbar ist: "Hieher gehören auch verschiedene Antidote jählinger Vergiftungen". Hahnemann gibt dort keine homöopthischen Arzneimittel, sondern chemische Antidote: "Schwefelleber gegen Metallgifte".
Daunderer und Klinghardt lehnen jede Therapie ab, die Quecksilber verwendet.
Es gibt Berichte über die Verbesserung der Symptome nach Einnahme homöopathischer Medikamente. Homöopathisch potenziertes Quecksilber bringt das Metall an dem Ort, wo es abgelagert ist, zwar zur Anregung, leitet es aber nicht aus. Das Quecksilber wird lediglich mobilisiert, im Körper herumgeschoben, aber nicht ausgeschieden, und landet schließlich im Gehirn; s. dazu auch Abschnitt 2.1.
Warnung: Nehmen Sie keine quecksilberhaltigen homöopathischen Substanzen!

 

Pfeil nach oben4.4   Neue Füllungen

Die hohe Toxizität von Quecksilber verbietet jeden Einsatz von Amalgamfüllungen. Auch in mechanischer und thermischer Hinsicht ist Amalgam als Zahnfüllmaterial nicht gut geeignet. Nachteilig ist zudem, dass sich unter Amalgam Bakterien ansiedeln können, die den Zahn bis in die Tiefe zerstören; s. dazu Fotos des Zahnarztes Dr. Burk.

Wenn Sie sich entschließen, im Rahmen der Amalgamentfernung die Zähne zu erhalten, bieten sich für die Füllung einige Alternativen an. Die Verträglichkeit des Materials kann individuell mit Elektroakupunktur oder Bioresonanz getestet werden.

Falls Zähne gezogen werden, ist empfindlichen Personen ein vollständig metallfreier Zahnersatz zu empfehlen. Implantate, üblicherweise aus Titan, können Probleme bereiten: "Titan [...] wird möglicherweise in Zellen und im Gehirn aufgenommen und führt bei manchen Personen zu Entzündungsvorgängen bzw. zu Sensibilisierungen des Immunsystems." (aus Mutter, Gesund statt chronisch krank!, Seite 83). Im Tierversuch zeigten sich schädliche Einflüsse auf die kindliche Gehirnentwicklung, Neurotransmitter und psychische Krankheiten.  

Pfeil nach oben5   Literaturhinweise

[1] Joachim Mutter: Amalgam - Risiko für die Menschheit. Verlag "fit fürs Leben" 2000. Seite 107.
  Weitere Texte von Mutter in der Literaturliste und in den Links.

[1a] Joachim Mutter: Gesund statt chronisch krank! Der ganzheitliche Weg: Vorbeugung und Heilung sind möglich. 456 Seiten, 29,90 €, Verlag Natura Viva 2009.

[2] Wilfried Bieger, Wolfgang Mayer: Immuntoxikologie der Dentalmaterialien. Veröffentlicht 1999.

[3] Rüdiger von Baehr, Berlin, und Wilfried Bieger, München: Immuntoxikologie von Dentalersatzstoffen. (1998)

[4] Elmer M. Cranton: Scientific Rationale for EDTA Chelation Therapy. Mechanism of Action. Aus "A Textbook on EDTA Chelation Therapy"

[5] Godfrey et al.: Apolipoprotein E genotyping as a potential biomarker for mercury neurotoxicity.

[6] Regina Nowack: Thema Migräne, B. trifft (WDR), ein Kommentar zur Sendung am 30.04.2004

[7] Gustav Drasch: Haarmineralanalysen - Vorsicht bei der Interpretation der Messwerte

[8] Dietrich Klinghardt: Intra-ossaere Neuraltherapie zur Diagnose und Therapie der Störfelder im Kieferbereich. Referat im Rahmen der BNZ-Tagung am 2. November 1997, Baden-Baden.

[9] W. Breenkötter: "Hatte Stock doch recht? Fragen an die Medizingeschichte". Biologische Medizin 4/1984, S. 194-197. Es gibt auch eine englische Übersetzung.

[10] Amy S. Holmes et al.: "Reduced Levels of Mercury in First Baby Haircuts of Autistic Children", International Journal of Toxicology, 22:277–285, 2003.

[11] Wissenschaftsladen Dortmund: Informationen zu Amalgam. Zur ATP-Blockade: s. Abschnitt 1.2.5.1

[12] N. S. Prang, V. von Baehr, W. P. Bieger: Erhöhte genetische Suszeptibilität gegenüber Umweltgiften bei schadstoffbelasteten Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom (23.02.2001)

[13] Thilo Bertsche und Martin Schulz: Klinisch pharmakologische Bewertung - Succimer zur Ausleitungstherapie? (2003)

[14] Elke Bloem, Silvia Haneklaus und Ewald Schnug: Schwefel – für gesunde Pflanzen und gesunde Menschen. ForschungsReport 1/2003 der Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Braunschweig.

[15] John T. A. Ely: A Unity of Science, Especially Among Physicists, Is Urgently Needed to End Medicine's Lethal Misdirection. Kapitel 2: Physical Characteristics and Effects Reported for Some High-Copper Dental Mercury Amalgams and the Biochemical Relationship with Micromercurialism, Retention Toxicity and Extreme Psychoses (Serial Killers with No-Remorse)

[16] Joseph R Hibbeln et al.: Maternal seafood consumption in pregnancy and neurodevelopmental outcomes in childhood (ALSPAC study): an observational cohort study. The Lancet 2007; 369:578-585

[17] Ralf Janda: Toxikologie der polymerisierbaren Füllungsmaterialien. Literaturverzeichnis. DFZ 10/2007

[18] Europäische Union: Gemeinschaftsstrategie für Quecksilber. Endgültige Fassung 28.1.2005.

[19] Shun’ichi HONDA, Lars HYLANDER and Mineshi SAKAMOTO.
Recent Advances in Evaluation of Health Effects on Mercury with Special Reference to Methylmercury – A Minireview”.
Environ. Health Prev. Med., Vol. 11 pp.171-176. (2006)

[20] Dietrich Klinghardt: Mercury Detoxification: Perpetuating Factors, Problems and Obstacles (Oct. 1999)

[21] World Health Organization. (1991). Environmental health criteria, Vol. 118: Inorganic mercury. Geneva: WHO.

[22] Jeff Bradstreet: Biologischer Nachweis signifikanter Impfnebenwirkungen mit der Folge neurologischer Entwicklungsstörungen. Vorgetragen vor dem Impfsicherheits-Komitee des Institute of Medicine (IOM), Nationale Akademie der Wissenschaften USA, 9. Februar 2004

[23] Wolfgang Bayer: Durchführung,Referenzbereiche und Interpretation des DMPS-Testes. Labor Dr. Bayer GmbH, Stuttgart.

[24] "WiFi and EM Radiation - The Rest of the Autism Story": über den Zusammenhang zwischen Schwermetallen und elekromagnetischen Feldern.

[25] Gianpaolo Guzzi and Claudio Minoia: Biological Detoxification and Mercury Dental Amalgam (2008)

[26] Helmut Beck: Diagnostik und Therapie chronischer Schwermetallbelastungen - Erfahrungsbericht eines Amalgamgeschädigten. (5.1996)

[27] Ulf Bengtsson: Formation of droplets on the surface of non-gamma-two amalgams (2002)

[28]EU Kommission Umwelt und bio Intelligence Service: Workshop (26.3.2012)

 



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